In dem aktuellen „Heil- und Hilfsmittelreport“ der Barmer GEK wird darauf hingewiesen das viele Patienten die Hilfsmittel benötigen entweder Über-, Unter- und fehl versorgt sind.
Das trifft aber in der Regel auch bei Mitgliedern der anderen Krankenkassen zu.
Unter Hilfsmittel fallen z.B. Rollstühle, Rollatoren, Herzschrittmacher, med. Implantate wie künstliche Hüft- und Kniegelenke, Hörgeräte, Bandagen, orthopädische Schuhe, Orthesen, Stützstrümpfe, med. Korsetts und Mieder und andere Hilfsmittel für die tägliche Alltagsbewältigung von behinderten Mitbürgern.
Unter Heilmittelverordnungen wird die Leistung von Ergo- und Physiotherapeuten und die Arbeit von Logopäden und Podologen zusammengefasst.

Der Bericht ist an und für sich recht stimmig. Es gibt diese unausgewogene Balance zwischen Unter- und Über- und Fehlversorgung. Aber die Probleme sind von den Krankenkassen durch Pauschalbeträge und Budgetierungen selbst herbeigeführt worden.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/barmer-report-zu-heilmitteln-zulassung-noch-immer-zu-lax-a-991695.html

Aber aus meiner täglichen Arbeit als Ergotherapeut im Team mit Physio- und Ergotherapeuten kann ich den Bericht daher mit kritischen Augen betrachten.
In der Einrichtung in der ich arbeite, leben viele behinderte Menschen die nur mit sehr individuellen Hilfsmittelversorgungen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Diese Hilfsmittel sind aber nun mal recht teuer. Da kann man sich für den Preis eines Elektrorollstuhls mit einer Umfeldsteuerung schon einen kleinen Mittelklassenwagen leisten.
Je nach Modell, Hersteller und Ausstattung kommen da für einen E-Rollstuhl zwischen 10 000€ und 24 000€ an Kosten auf die Krankenkassen zu.
Muss der Patient wegen einer drohenden Verschlechterung, oder vorhandenen Fehlstellung, der Wirbelsäule noch eine individuelle angepasste Sitzeinheit haben kommen noch mal 3000- 4000€ dazu.
Ups! Der Patient braucht noch ein Pflegebett mit Verstellmöglichkeiten.
Ah , ja. Eine Antidecubitusmatratze ist wegen einer empfindlichen Haut ebenfalls nötig.
Und weil der Patient nicht sprechen kann ist noch ein elektronisches Kommunikationsgerät erforderlich.
Ja, das kann auch schon mal zwischen 200- und 15 000€ zu Buche schlagen
Für die Pflege braucht man noch einen Badewannenlifter, Toilettenstuhl etc.
Wer sich nicht vorstellen kann worum es geht soll mal kurz an Christopher Reeve oder an Steven Hawkins denken.
http://de.wikipedia.org/wiki/Christopher_Reeve
http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking

Ach, und Medikamente wg. chronischen Schmerzzuständen, oder einem Anfallsleiden wie Epilepsie sind ebenfalls nötig.
Und weil nichts von Dauer ist, muss auch mal ein defektes Hilfsmittel ersetzt oder repariert werden.
Da kann schon mal für den einen oder anderen Menschen eine ganz hübsche Summe im Laufe seines Lebens zusammenkommen.
Und wer sich jetzt fragt warum die Krankenkassen überhaupt so etwas und so viel zahlen kann nur froh sein ohne Behinderung sein Leben zu genießen. Und wenn es jemand trifft hat derjenige keine Wahl zwischen Loge, Parkett und Sperrsitz.
Die Plätze werden ausgelost.

Um die Kosten zu deckeln haben sich die Krankenkassen daher etwas einfallen lassen.
Es gibt Sanitätshäuser die als Vertragspartner mit der Krankenkasse festgelegte Rabatte ausgehandelt haben.
Je höher der Rabatt für die Krankenkasse festgelegt wurde umso größer ist die Chance für das Sanitätshäuser als Vertragspartner zu agieren.
Die KKs beauftragen also ein Sanitätshaus, nennen wir es mal „A“, einen Gegenkostenvoranschlag zu erstellen, weil ein Sanitätshaus, das nennen wir mal B, einen Kostenvoranschlag und ein Rezept für ein Hilfsmittel eingereicht hat.
Das ist im Grunde auch völlig legitim. Ich hole mir auch Kostenvoranschläge verschiedener Handwerker ein, wenn ich Arbeiten erledigen lassen muss die ich nicht selber machen kann.
Dann habe ich die Wahl, je nach dem wie gut ich beraten wurde ein Unternehmen zu wählen bei dem das Preis- Leistungsverhältnis stimmt.
Bei der Versorgung von Hilfsmitteln trifft das nicht so ganz zu.
Da bekommt das Unternehmen den Zuschlag, das den günstigeren Kostenvoranschlag eingereicht hat.
Wenn man Glück hat gerät man an ein Unternehmen mit gut ausgebildeten und gewissenhaften Mitarbeitern von denen man gut und fachgerecht mit Hilfsmitteln versorgt wird.
Hat man Pech, wird man von Mitarbeitern betreut, die mal irgendwas, irgendwo gesehen haben und der Meinung sind die absoluten Cracks auf ihrem Gebiet zu sein.
Unglücklicherweise verkaufen sich diese Leute verbal so gut, das alles glaubhaft rüberkommt, was die einem aufdrücken, weil sie den Scheiß selber glauben von dem sie reden.
Ich habe als Versichterter aber auch letztendlich die Wahl, von wem ich beschissen werde. Ich darf mir ja auch den Handwerker aussuchen, der mein Bad ruiniert. Da habe ich aber den Vorteil gegen seinen Pfusch klagen zu können.
Als behinderter Mensch bleibt mir nur die Auseinandersetzung mit dem Sachbearbeiter der Krankenkasse. Denn viele Hilfsmittel sind und bleiben Eigentum der KKs. Zum Beispiel werden Rollstühle, Pflegebetten und andere Dinge zur Kostensenkung dem Wiedereinsatz zugeführt.

Bei Rollatoren ist die Versorgung relativ einfach. Aber was heißt hier relativ.
Da kann ich keinem Übergewichtigen Menschen ein Produkt aus spuchteligen Billigrohren andrehen, dessen Rohre aus Kostengründen in China produziert wurden und von einem deutschen, oder einem weltweit tätigem Unternehmen verbaut werden.
Oder man lässt gleich alles in China schrauben und plakatiert einen wohlklingenden Namen drauf.

Die meisten Hersteller setzen aber auf selbst entwickelte Produktpalleten mit einer Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten, die für den größten Teil der Patienten auch sinnvoll und praktikabel sind. Und die Sanitätshäuser haben die Verantwortung den Patienten mit einer für ihn sinnvollen und für die KKs kostengünstigen Versorgung zu versehen.
Es könnte ja alles wunderbar funktionieren wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wäre.
Da sind nun mal zum Einen die überzogenen Forderungen und Ansprüche der Patienten und den Angehörigen selbst.
Ja, ich hätte auch gerne einen Ferrari.
Dann kommt der Preiskampf der Sanitätshäuser dazu. Der Preiskampf führt zu einem gnadenlosen Konkurrenzkampf den so manches verantwortungsvolle Unternehmen durch Insolvenz beenden musste.
Es gilt immer mehr Masse statt Klasse.
Die Hersteller geben bei ihrer Preisgestaltung Preise an, die teils „jenseits von wie konnte man nur darauf kommen“ liegen, um dann großzügige Preisnachlässe zu gewähren um auf einen halbwegs vernünftigen Schnitt zu machen.
Die Entwicklung der knappen Gelder bewirkt auch das technische Innovationen und Neuentwicklungen bei den Herstellern stark zurückgehen.
Das Risiko für einen Produktflop ist zu groß. Statt dessen übt man sich lieber in Modellpflege und bleibt bei Detailverbesserungen. Als jahrelanger Besucher der Rehacare kann ich das bestätigen.
Eine richtig gute Innovation kam im übrigen von einem Möbelhersteller. Die hatten bis dato zwar nichts mit Rehabilitationsmitteln zu tun, und die Lösung war ursprünglich auch nicht für Behinderte gedacht, aber genial war es trotzdem.
Ich sage nicht was es ist sonst setzen die Kassen da wieder den Rotstift an.

Und da sind wir auch schon am Knackpunkt angelangt. Besondere Behinderungen müssen mit besonderen Lösungen bedacht werden. Da ist nicht jedes x-beliebige Hilfsmittel verwendbar.
Für den normalen KK- Sachbearbeiter ist ein Rollstuhl eben nun mal ein Rollstuhl. Was für „Oma Else“ eine optimale Lösung ist, ist für „Melanie“ mit ihrer starken Spastik eine Zumutung.
Da reicht der gute Standart eben nicht.
Für Behinderte werden Standartrollstühle im Sonderbau umgerüstet. Qualifizierte und verantwortungsvolle Sanitätshäuser sind in der Lage aus den bestehenden Standartvarianten gut angepasste und funktionierende Hilfsmittel zu bauen.
Diese Häuser haben in der Regel einen funktionierenden Service. Reparaturen sind meist in kurzer Zeit erledigt. Sind diese Firmen ortsnah geht auch alles recht fix.
Es gibt aber auch Firmen die einen Anfahrtsweg von mehr als hundert Kilometer haben.
Ein geplatzter Radschlauch? Der wird dann erst nach 20 Anrufen repariert.
Vom Fahrradhändler um die Ecke reparieren lassen? Bloß nicht. Der Arme kommt in Teufels Küche wenn er keine zugelassenen Produkte verwendet. Er gilt in diesem Fall als Hersteller und steht in der Haftung wenn etwas passiert.
Eine Firma die auf Kinderreha spezialisiert ist, so erfuhr ich aus gut informierten Kreisen, veranstaltet sogar Kaffee- und Kuchenseminare für Eltern. Bei Reparaturen sparen sie sich die Anfahrtswege und nehmen die Reparaturen in der Firma vor. Wenn die Versorgung nicht zu kompliziert wird kann man mit den Ergebnissen sogar zu großen Teil zufrieden sein. Aber wehe wenn es kompliziert, individueller und schwierig wird. Dann sind die Ergebnisse mit einer Katastrophe vergleichbar.

„Melanie“ zerstört in der Regel wegen ihrer fehlenden Möglichkeit ihre enormen Kräfte zu dosieren mehrmals im Jahr ihre Kniehebelbremsen. Das Fußbrett muss auch mehrmals repariert werden weil es ebenfalls ihren enormen Kräften ausgesetzt ist. Ein passendes Produkt zu finden wird zum Lotteriespiel. Endlich hält mal der Rahmen des Rollis und bricht nicht nach einem halben Jahr an einer Stelle durch, weil der findige Mitarbeiter vom Sanitätshaus „08/15 gibt es bei uns nicht“ einige Verstärkungen an den mechanisch anfälligen Stellen verbaut hat.
„Oma Else“ und „Melanie“ sind hoch zufrieden weil sie kompetente und fähige Ansprechpartner haben die aus den angebotenen und verfügbaren Hilfsmitteln das passende, geeignete herausgesucht haben.

Wenn man über eine Messe geht hat man auch Patienten im Kopf und man sucht für ihn ein passendes Hilfsmittel.
Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern wo ich einen Faltrollstuhl eines namhaften Herstellers auf Verwindungssteifigkeit geprüft habe.
Das Produkt machte erst mal einen ordentlichen Eindruck und wirkte durchaus tauglich. Ich bin nicht übermäßig kräftig und war daher sehr erstaunt wie flexibel der Rollstuhl auf meine Prüfung reagierte.
Der Mitarbeiter der Herstellerfirma machte ebenfalls ein erstauntes Gesicht was aber schnell einem panischen Gesichtsausdruck wich. „Bitte nicht kaputtmachen“
Daraufhin beendete ich die genauere Untersuchung.
O.K. Produkt noch heile, aber durchgefallen. Ungeeignet für den Patienten.
„Oma Krause“ wäre dagegen zufrieden weil das Produkt für sie ausreichend gewesen wäre.

Und nun sind wir bei den sog. Sanitätshäusern die den Bergriff Sanitätshaus in ihrem Briefkopf verwenden.
Von dort strömen verbale Überzeugungskünstler und technische Hohlköpfe zu den Patienten aus um irgendwas an Hilfsmitteln zu verticken wo sie keine Arbeit rein stecken müssen.
„Ja“, so ist die Aussage „Wir sind in der Lage sie adäquat zu versorgen.“
Lieblos zusammengestellte Standartkomponenten die für manche Patienten sinnvoll und ausreichend sind, aber zu einem großen Anteil sind sie es eben nicht. Aber sie erhalten meist den Zuschlag auf ihrem Kostenvoranschlag von der Krankenkasse, weil es für die Kasse eben preiswert erscheint.
Das Hilfsmittel wurde ausgeliefert und die Unterschrift wurde vom Patienten geleistet weil er sich darauf verlässt das der „F(l)achmann“ das richtige Produkt ausgesucht hat.
Und nun kommt der Anfahrtsweg von hundert-siebzig Kilometer für Reparaturen dazu.
„Onkel Gustav“ liegt seit drei Wochen im Bett und braucht nun wegen Wundliegens eine Antidecubitusmatratze weil der Monteur noch nicht da war um eine defekte Radachse am Rollstuhl zu wechseln.
Ersatzrollstuhl? Haben wir leider nicht!
Täglich zwei Anrufe bei der Firma und dann geht niemand mehr dran weil die Nummer im Display zu sehen ist. „Schon wieder der“.
Das mit dem Wundliegen Gustavs und der Matratze ist überspitzt dargestellt, doch es gibt leider viele dieser „reaktionsfreudigen“ Firmen.
Und manchmal liegt es gar nicht an den Firmen selbst, sondern an ihren bräsigen und verpeilten Mitarbeitern.

Ich kann nur an diese Firmen appellieren ihre Finger vom Sonderbau zu lassen, und lieber normale Standartversorgungen durchzuführen bei denen keine großen Ansprüche auf die verwendeten Hilfsmittel bestehen.
Aber wenn sie oft genug auf die Fresse gefallen sind hören sie mit dem Mist, den sie verzapfen, eventuell auf.
Dann laufen ihnen die Kunden weg.
Aber es gibt doch leider immer wieder erstaunlich viele Firmen die in hohem Maße Erfahrungsresistent sind.
Aber manchmal geschehen auch Wunder. Ein neuer, engagierter Mitarbeiter mit Erfahrung, technischem Verständnis, und plötzlich kann man mit der Firma sogar arbeiten.
Wenn dann auch der Service stimmt, ist alles in Ordnung.
Im übrigen steht und fällt ein Sanitätshaus mit dem Sachverstand und der Motivation seiner Mitarbeiter.

Kommen wir mal zu Thema Heilmittelverordnungen.
Jede Krankenkasse zahlt anstandslos teure Wirbelsäulenoperationen von denen ca. 50% so sinnfrei wie überflüssig sind, weil sie meist mit konservativer Krankengymnastik (Physiotherapie) behandelbar wären.
Bringt der Patient ein wenig Eigenverantwortung mit an den Tag, wären die meisten Operationen zu vermeiden.
Aber man behandelt sich gedankenlos wie sein Auto. Kaputt, also ab in die Werkstatt.
Der Arzt sieht ebenfalls keine andere Möglichkeit als eine Operation, weil ja eine Deckelung seines Praxisbudgets die Anzahl der Heilmittelverordnungen pro Quartal und Patient einschränkt und er mit Regressansprüchen der Krankenkasse zu rechnen hat wenn er viele davon auszustellen muss.
So legt er halt die Verantwortung in die vertrauensvollen Hände des Operateurs, der damit seine Brötchen verdient den Patienten auf zuschneiden und der die Rolle des Mechanikers übernimmt.
Das klappt aber wie gesagt nur bei der Hälfte der Fälle.
Und die Nachsorge liegt wieder beim behandelnden Arzt der für die Verordnung von Heilmitteln zuständig ist.
Nun kommen noch diverse Schmerzmittel als Kosten hinzu weil der Erfolg der Operation ausbleibt.
Oft sind sogar schlimmere Beschwerden als vor der OP vorhanden und der Bedarf an Schmerzmitteln erreicht ein gesundheitliches Risiko, weil Nebenwirkungen wie Unverträglichkeit und entstehende Resistenzen den Bedarf nach anderen teuren Medikamenten und weiteren Operationen und Behandlungen nach sich ziehen.
Ein Mekka für die Pharmaindustrie. Und ein Mekka für die „wir gucken in den Patienten noch mal rein“ -Schnippler.

Und wir Therapeuten sind bereit für einen Hungerlohn zu arbeiten.
Wir sind ja Idealisten und geben uns als Berufsanfänger mit Bruttolöhnen von 1 400 bis 1600 Euro zufrieden, je nach Arbeitsvertrag. Das kann im Laufe der Jahre auch etwas mehr werden,
http://www.ausbildung.de/berufe/ergotherapeut/gehalt/
Und weil so viele Kosten gestiegen sind, wird der Großteil unserer Nachwuchstherapeuten die ihre Ausbildung selbst finanziert haben, für ca. 1500 Euro entlohnt.
Dabei sind die Ausbildungskosten die an Fachschulen stattfindet, und für die ein mittlerer Bildungsabschluss notwendig ist, nicht gerade billig. Zwischen 250 und 450 Euro pro Monat für die Dauer von drei Jahren sind nicht aus der Portokasse zu finanzieren.
Da sind also locker mal zwischen 9 000 und 16 200 Euro für eine Ausbildung fällig.
Einige Fachschulen sind noch teurer und verlangen über 20 000 Euro für eine Ausbildung.
Aber als Idealist wird man Therapeut und nach dem Abitur (ein Großteil der Fachschüler) pfeift man auf die Uni und verzichtet auf die Ausbildung als Schlosser, die man sogar mit einer Ausbildungsvergütung versüßt bekommt.
An den möglichen höheren Verdienst nach einer gewerblichen Ausbildung als Industriemechaniker denke ich gar nicht erst. Sicher sind Einzelhandelskaufleute, Frisöre, Arzthelferinnen Bäcker und Fleischer zum Teil schlechter bezahlt, aber sie tragen nicht die Kosten ihrer Berufsausbildung.
Wir Therapeuten tragen auch die Kosten für Fortbildungen selbst und finanzieren alles meist aus eigener Tasche. Wir opfern Urlaub und Freizeit dafür.
Ein Wochenendseminar kann schon mal zwischen 200 und 400 Euro kosten. Hotel und Fahrtkosten sind nicht mit eingerechnet. Ups, etwas essen müssen wir ja auch noch. Große, mehrtägige Fortbildungen die über mehrere Wochen im Jahr dauern kosten auch schon mal 4000 – 5000 Euro. Und weil man das beste für seine Klienten will, bleibt es nicht bei einer Fortbildung.
Manche Einrichtungen und Praxen geben einen Teil der Fortbildungskosten dazu, aber nicht alle.
In seltenen Fällen werden die Kosten auch ganz übernommen, aber das wird zunehmend zum Ausnahmefall.
Auch die Ärzte müssen ihre Fortbildungen selbst bezahlen, aber können damit im Anschluss wieder Kasse machen.
Das kann man im Anschluss auf dem Praxisschild nachlesen: „Sportmedizin, Chiropraktiker, Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur, Allergologe, und so weiter.
Alles Leistungen die mit der Krankenkasse abgerechnet werden können, sofern sie im Leistungskatalog aufgeführt werden.
Wir als Idealisten hoffen dann auf ein höheres Gehalt vom Praxisinhaber.

Die Studenten jammerten vor Jahren über eine Studiengebühr, die daraufhin abgeschafft wurde. Aber die dürfen das auch. Das sind ja auch keine Idealisten, sondern Akademiker. Und einige davon haben nach dem Studium die Chance die Gebührensätze für unsere Leistungen festzulegen.
Sie dürfen als Akademiker auch unsere Vorschläge ignorieren.
Ich schlug dem Arzt eines jungen Patienten, der unter einer einschießenden Spastik seines Armes litt, die sehr schmerzhaft in Hand und Ellenbogen zog, eine Versorgung mit einer dynamischen Armorthese vor.
Der verordnende Arzt war damit einverstanden und hielt das auch für eine sehr gute Lösung. Die Orthese sollte den Arm und die Hand vor weiteren Beugekontrakturen bewahren. Die Orthese sollte ein Federgelenk am Ellenbogen und eins am Handgelenk bekommen, um bei einer einschießenden Spastik nachgeben zu können.
Der MDK (Med. Dienst der Krankenkasse) war allerdings bei der Bewilligung der Orthese der Auffassung, das ein dynamisch versorgtes Handgelenk ausreichend sei, und der Ellenbogen steif gehalten werden kann.
Na klasse, ein Teilerfolg. Die Schmerzen im Handgelenk ließen nach. Nur die Schmerzen im Ellenbogengelenk verstärkten sich durch die starre Haltung.
Die Konsequenz daraus? Die Armschiene wurde nicht lange benutzt und der Patient wird wegen der Beschwerden weiter mit Physiotherapie behandelt. Da stelle ich mir die Frage in was für einem Fachgebiet der von der Krankenkasse beauftragte Arzt ausgebildet wurde.
Hebelwirkung. Das wurde doch mal, so weit ich mich erinnere, im Physikunterricht an der Schule gelernt.
Ja, es macht richtig doll Spaß ein Idealist zu sein.

Nun mal so zur Info was eine nicht ärztliche Heilbehandlung der Krankenkasse an Kosten verursacht. Man beachte den Regelsatz für Kassenpatienten der gesetzlichen Krankenkassen.
http://www.kvhb.de/sites/default/files/ek-preisliste-physio.pdf
http://www.kvhb.de/sites/default/files/pk-preisliste-ergotherapie.pdf
http://www.kvhb.de/sites/default/files/pk-preisliste-sprachtherapie.pdf
Alles in allem liegen die Stundensätze im Mittelwert so ca. um die 40-60 Euro. Patienten sagen auch mal Termine ab, und nicht immer findet man einen anderen der plötzlich Zeit hat die entstandene Lücke zu füllen.
Und weil wir ja so idealistisch veranlagte Menschen sind bezahlen wir, falls man eine eigene Praxis betreibt, die Kosten für die Therapie- und Verbrauchsmaterialien aus eigener Tasche. Die Krankenkassen bezahlen es uns ja nicht.
Der Handwerker der mir das Bad auf Vordermann bringen soll verlangt zwischen 60 und 80 Euronen die Stunde.
Aber er bezahlt nicht die Verbrauchsmaterialien die er benötigt, sondern stellt sie mir in Rechnung.
Und schwarze Schafe im Gewerbe machen auch immer einen kleinen Anteil an zusätzlichem Reibach weil sie die Reste mitnehmen und dem nächsten Kunden ebenfalls in Rechnung stellen.
Aber als Idealist bezahlen wir Therapie- und Testmaterialien aus eigener Tasche. Und auch Testbögen, Programme und Materialien sind in der Regel sehr kostenintensiv. Dem Patienten in Rechnung stellen? Unmöglich. Für viele Patienten ist schon die 10%ige Zuzahlung kaum zu erbringen, wenn sie das 18te Lebensjahr erreicht haben.
Passiert bei der Ausfüllung der Heilmittelverordnung der kleinste Fehler, verweigert die Kasse die Bezahlung. 6, oder zehn Behandlungseinheiten sind dann als sich in Rauch aufzulösende Grillanzünder zu verwenden.
Kommt der Patient morgens noch fröhlich pfeifend zur Behandlung und geht abends wegen einer akuten Erkrankung ins Krankenhaus, dann ist ein Datum nun mal ein Datum und der Tag beginnt nun mal um 0 Uhr und er endet auch immer um 24 Uhr.
Der Idealist bedankt sich fröhlich pfeifend für den Grillanzünder.

Kommen wir mal wieder auf das Thema Hilfsmittel zurück. Speziell auf med. Implantate, (ein großer Wachstumsmarkt) die ebenfalls als Hilfsmittel abgerechnet werden.
Ständig kommen neue und sensationelle Produkte auf den Markt. Die Funktionsprüfung übernehmen oft die Hersteller. Funzt, wird im Anschluss von den Operateuren aus einer unüberschaubaren Produktpalette ausgewählt und im Patient verbaut. Der Herzschrittmacher von „Karl“ ist ein brandneues Produkt und und hat alle Funktionstests mir Bravour bestanden. Die OP wird von der Krankenkasse bezahlt. Ist ja auch O.K., sonst ist das Leben von „Karl“ eines Tages vorbei. War es dann ja auch, als der super dünne Draht der das Herz mit den lebenswichtigen Impulsen versorgt, auf Grund einer Fehlfunktion, dem Herz einen tödlichen Stromschlag gab.
http://www.welt.de/wirtschaft/article1270365/Anbieter-zieht-riskante-Herz-Implantate-zurueck.html
http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelwissen/d-87717304.html
Der Idealist wird zum Sarkasten. Folgekosten sind für die Krankenkasse nicht entstanden.

Bei Hüft- und Knieimplantaten treten häufig Probleme mit der Haltbarkeit auf.
http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/wirbel-um-fehlerhafte-hueftimplantate-1.15523584
http://www.welt.de/regionales/berlin/article1104971/Klinik-wirft-US-Firma-Mitverantwortung-vor.html
Für den Pfusch am Patienten haben die Krankenkassen viel Geld bezahlt.
Die Folgekosten muss der Hersteller oder die Klinik übernehmen. In der Zeit brauch der Patient aber schmerzlindernde Medikamente. Eventuelle Folgeschäden und Erkrankungen, die durch Auflösungserscheinungen und Materialabrieb entstanden sind, können auftreten und müssen ärztlich behandelt werden.
Und wir können uns noch alle gut an die Brustimplantate erinnern die aus Industriesilikon bestanden.
http://www.focus.de/finanzen/recht/tid-34692/nach-urteil-gegen-tuev-rheinland-skandal-um-billige-brustimplantate-auch-deutschen-opfern-winkt-schadenersatz_aid_1159907.html
Da Rechtsstreitigkeiten sich über mehrere Jahre hinziehen können, finanzieren die Krankenkassen die Behandlung der Folgeschäden.
Der Idealist sieht gerade dabei zu wie sich das Geld der gesetzlich und privat Versicherten in Grillanzünder verwandelt. Es hätte sinnvoller genutzt werden können.

Willkommen im Leben. Und wir alle wissen ja. Das ist bekanntlich kein Ponyhof.