Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.

Es ist schon ewig her das ich diesen Satz gelesen habe. Irgendwann, am Anfang der 80ger Jahre war dieser Satz bei den Kriegsgegnern sehr populär. Er stand auf den Protestbannern jeder Friedensdemo und oft wurde er auch an Mauern und Häuserwände gesprüht.
Wo ist dieser Satz jetzt noch zu lesen? Wo sind die Kriegsgegner der späten 70ger und 80ger? Wo bleiben die Ostermarschierer? Sind diese beim Eiertanz im Boden versunken? Es gibt zwar immer noch eine Handvoll Aufrechter, aber wo bleiben die mehreren 10000 von damals? Die, die zum grossen Teil der grünen Umweltpolitik gefolgt sind. Wo sind diese Leute von vor ca. 30 Jahren?
Ist der Gedanke an den Frieden mit dem Alter brüchig geworden? Weggestorben können die Leute von damals ja nicht sein. Ich lebe ja auch noch, und ich habe noch einige Jährchen vor mir wenn alles den geregelten Gang geht. Wird das Greuel des Krieges in den hintersten Winkel des Hirn verdrängt? Wurden die Grünen oliv-grün weil Ministerposten zu Kompromissen drängten die das Gewissen benebelten?

Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.

Nach Artikel 4, Absatz 3 des Grundgesetzes darf niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_4_des_Grundgesetzes_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland
Von diesem Recht habe ich Anfang der 80ger Jahre gebrauch gemacht. Man musste vor einen Prüfungsausschuß treten und dort wurde das Gewissen auf eine sehr seltsame Art und Weise auf die Probe gestellt.
Dort stellte man so merkwürdige Fragen wie: „Stellen sie sich vor sie, oder ihre Familie werden bedroht und sie haben zufällig eine Waffe in der Hand“. Zufällig, -wie-, -kommt die angeflogen-, oder vor Angst aus dem Arsch in die Hand gefallen? Die Prüfung ist mittlerweise Geschichte und die Bundeswehr wurde zu einer Freiwilligenarmee umfunktioniert. Nun wird mit Werbevideos auf Youtube zum „Friedenseinsatz“ in Mali geworben. Geht es noch perverser? Zumal in Afganistan schon viele deutsche Berufskrieger ins Gras gebissen haben?

Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.

In diesem Satz steckt so viel Wahrheit, auch wenn es leider Utopie zu sein scheint. Hat sich denn jeder der meint er müsse seinem Staate dienen, (welcher auch immer es ist) jemals Gedanken gemacht was mit ihm passiert wenn er auf einen Menschen schiesst und ihn tötet? Ist jeder sicher das ihn die Ereignisse nicht traumatisieren? Wer ist sicher ohne seelischen Schaden aus den Kriegsgebieten zu kommen wenn er die Waffe auf Personen richtet die möglicherweise nicht an Kampfhandlungen beteiligt sind. Z.B auch Kinder, Frauen und alte Menschen? Die im Allgemeinen auch vom Militärapperat als kollaterare Opfer bezeichnet werden?
Der Soldat mit dem Gewehr in der Hand hat noch Unterscheidungsmöglichkeiten, doch was ist wenn Granaten abgefeuert werden und der Tot am Einschlagsort nicht ganz so offensichtlich wird? Oder bei einem Drohnenpilot, der in Videospielmanier, vor dem Bildschirm sitzt? Oder bei einer Person, die in einem unterirdischen Bunker sitzt, mit dem Finger über einen Push-Button. Wo ist da die Hemmschwelle?

Reduzieren wir das Ganze mal auf „Die Ausführung eines Befehls hat den Tod eines, oder mehreren, Menschen zur Folge“. Oder ganz kurz: Befehl = Tod.
Hier wird ein Scenario beschrieben, daß entweder einem kranken Hirn entsprungen sein muss, oder jemandem der sich eingehend mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Noch einmal kurz zur Erinnerung! Ganz kurz! „Befehl = Tod
Der Befehlsempfänger steht vor einer langen Reihe mit Betten in denen unbewaffnete und wehrlose Menschen liegen. Frauen, Kinder, Säuglinge, alte Menschen und junge Menschen. Einfach Menschen. Er bekommt den Befehl diese Menschen zu töten und man drückt ihm eine Axt in die Hand. Wo setzt bei Euch die Hemmschwelle ein? Nach dem ersten Toten? Nach fünfen, oder schon vor dem Ersten?
Man hat keinen Knopf in der Hand und Handlungen werden nicht mit einer anonymisierten Fingerbewegung erledigt. Bomben werden aus grosser Höhe abgeworfen und man kann die Toten nicht sehen. Machen wir uns nichts vor, Der Tod bedeutet für den betreffenden Organismus die „Endlösung“.
Ups! Hat bei Euch der Begriff „Endlösung“ Schnappatmung ausgelöst? Ich habe diesen Begriff mit Absicht benutzt, damit der Begriff „Friedenskämpfer“ in das richtige Licht gerückt wird.

 

Entscheidungen

Scenenwechsel. Ein Bankraub mit Geiselnahme. Schon oft passiert und im Fernsehen in einigen Filmen und Serien verwurstet. Versetzen wir uns erst mal in die Rolle des Opfers. Das hat Panik und ist eigentlich nicht mehr in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Es hat einfach Chaos im Kopf. Nein, bitte nicht, Was wird aus… . Ich will nicht sterben. War es das nun, muss ich so abtreten? ein Rauschen und abwechseln der Gedanken im Kopf.
Die schwierigste Aufgabe hat der Polizist. Er hat den Wunsch und die Aufgabe das Leben der Geisel nicht zu gefährden. Er ist in einer angespannten Lage und versucht die Situation zu entschärfen.
Der Geiselnehmer hat die Waffe an Kopf der Geisel und versucht die Situation zu seinen Gunsten zu klären. Und wenn die Lage eskaliert, wem gibt der Geiselnehmer in dem Fall die Schuld? In jedem Fall nicht sich selbst. Er weist sie von sich. Man hätte ihn ja laufen lassen können.
Der Polizist wird sich sein Leben lang die Fragen stellen wie er die Situation hätte anders regeln können, damit die Geisel nicht zu Schaden kommt. Den Täter laufen lassen? War da ein günstiger Moment um auf den Geiselnehmer zu schiessen?. Hätte ihn auch der Schuss auf den Gangster belastet?
Und der Geiselnehmer schiebt die Schuld von sich weg. Er, der Täter, der die Entscheidung traf.
Und welche Entscheidung trifft der Krieger? Es war doch aber ein Befehl. Ich konnte nicht anders handeln. Echt jetzt, wirklich? Am Ende liegt die Entscheidung bei dem der den Schuss abgibt. Bei niemand anderem. Nun sollten wir im Kriegsfall auch denjenigen einschliessen der die Weisung dazu gibt, auch wenn er nicht selbst schiesst. Den Befehl zu geben war auch seine Entscheidung.
Und wen trifft im Kriegsfall eine Mitschuld? Bis auf unsere Kinder uns alle. Weil wir nicht laut genug NEIN gerufen haben.

Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.

Ihr haltet mich für einen Spinner? Damit kann ich sehr gut leben! Ich frage mich nur wie pervers die Welt ist. Falls wir jemals intelligentes Leben finden sollten grenzt das an ein Wunder. Auf diesem Planeten existiert wohl keines.

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. (Albert Einstein)

Wer auch immer sich berufen fühlt dem Ruf des Abenteuers in Mali, (oder wo auch immer), zu folgen, sollte erst in sich hinein horchen was seine innere Stimme nach dem Lesen dieser Zeilen zu ihm sagt!
Ihr habt die Wahl ein Mensch zu sein. Ein aufrecht gehendes Wesen mit eigenen Gedanken und Gefühlen. „Nein“ zu sagen ist ein Grundrecht.

 

 

 

Beitragsbild  https://pixabay.com/en/soldier-shadow-hidden-military-1927614/

 

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